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11
März
2010

Altersfreigabe

Ich möchte mit Euch über ein Thema sprechen, was mich in letzter Zeit immer wieder ziemlich nachdenklich gestimmt hat: Als ich früher neben dem Studium bei Saturn in der Software-Abteilung gearbeitet habe, war ich immer zutiefst erschüttert, wenn Eltern oder Großeltern für ihre Kinder Spiele gekauft haben, die nicht für ihr Alter freigegeben waren. Ich habe mir damit so manchen verbalen Rüffel eingefangen, wenn ich in so einem Fall versucht habe, den Leuten zu erklären, dass der Titel eben nichts für den Sohn oder den Neffen ist. “Halten sie sich da raus, das geht sie gar nichts an”, so lautete stets die Antwort. Natürlich sind die Altersfreigaben teilweise etwas seltsam, aber wenn ich sehe, dass eine Oma ihrem 12jährigen Neffen “Resident Evil” kauft, dann muss man nicht anfangen, die USK zu hinterfragen. Ich finde es absolut unverantwortlich von Erziehungsberechtigten, dem eigenen Kind solche Inhalte zugänglich zu machen.

Einige von Euch werden jetzt anmerken, dass die Kinder eh an die Spiele kommen, sei es durch Freunde auf dem Schulhof oder durch einen illegalen Download im Netz. Mag sein, und gerade deshalb ist es die Pflicht der Erziehungsberechtigten, darauf zu achten, was das eigene Kind spielt. Man kann sich als Elternteil nicht darüber aufregen, dass die “bösen” Computerspiele ihre Kinder abhängig, süchtig oder zu Amokläufern machen, aber vorher billigend daneben stehen. Vor dem Computerspiel-Zeitalter hat man die Kinder vor dem Fernseher “geparkt” und heute setzt man sie vor den Rechner oder die Konsole – Hauptsache man hat seine Ruhe, hab ich Recht?

Nächste Woche steht bei uns an der Schule wieder die alljährliche Projektwoche an. Ich werde darin das Projekt “Computer und Medien” leiten – sprich, wir werden wieder ein schönes Video produzieren. Darin soll es unter anderem auch um die Spiele-Gewohnheiten der Kids gehen. Ihr werdet sicher mit den “Ohren schlackern”, wenn Ihr hört, was die Schülerinnen und Schüler an meiner Schule so in ihrer Freizeit zocken. In meiner siebten Klasse beispielsweise werden von den Jungs Spiele wie “Killzone 2″ und “GTA IV” angegeben. Ihr werdet jetzt sicher anmerken, dass dies nur “heiße Luft” ist und die Kinder maßlos übertreiben. Von wegen, laut ihren Erzählungen treffen sie sich 2-3 Mal in der Woche und zocken die Spiele zusammen – und das habe ich bei Dialogen untereinander, an denen ich eigentlich gar nicht beteiligt war, “mit einem Ohr” rausgehört.

Wenn ich meine Jungs frage, was ihre Eltern denn dazu sagen, bekomme ich als Antwort meistens: “Das ist denen egal, solange ich nicht nur solche Spiele zocke”. Alles klar, ich darf also Leuten den Kopf abschießen, wenn ich es nicht den ganzen Tag mache und als Ausgleich eine Runde “Hello Kittie” spiele?

Leute, Ihr kennt mich, ich bin nun wirklich kein Spießer in dieser Hinsicht, aber ich verstehe einfach nicht, wie Eltern sich immer wieder öffentlich hinstellen und Verbote fordern können, aber nicht mal in der Lage sind, bei einem Computerspiel die USK-Altersfreigabe zu beachten. Wenn man sich daran hält, muss man nämlich auch nichts verbieten. Aber das wiederum würde ja voraussetzen, dass sich manche Eltern auch mal mit ihren Kindern auseinandersetzen, und das geht nun wirklich zu weit, oder?


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210 Kommentare

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Hermy
schrieb am 12. März 2010 um 10:56 Uhr Gravatar von Hermy

Ich bin selbst 16 (wahrscheinlich genau in der Alterszone, in der keine Spiele ab 18 gespielt werden sollten) und finde es sehr interessant, wie die Leute versuchen zu erklären, dass es ums Geistige geht und Steve das komplett abstreitet (steht in den Anfangsseiten).
Das Geistige kann man sich aber schlecht in den Ausweis schreiben oder?
Das gesitige Alter ist zwar schön und gut ist mir aber zum Beispiel zu schwammig.
Andererseits wer braucht Spiele ab 18?
Das letzte Spiel ab 18, welches ich hatte, war GTA4 und auch nur um online ein wenig mit Kumpel zu spielen, sonst hatte das Teil nicht wirklich Reiz (Grafisch übrigens die beste Realitätssimulation zu der Zeit ;) ).

Die 10-14 Jährigen sollten sich BF2 holen. Da ist wenigstens Realtität bei und es ist lange nicht so sinnlos brutal.

 
Yôreel
schrieb am 12. März 2010 um 11:35 Uhr Gravatar von Yôreel

Ich muss gestehn, ich bin auch kein großer Fan der USK und hab mich auch nie groß drum scheren müssen, wenn ich mir ein Spiel kaufen wollte, das weit jenseits meines tatsächlichen Alters eingestuft war.
Mein erstes Resident Evil war soweit ich mich erinnere Teil 3, den hab ich mir mit… 12 oder 13 gekauft. Möglicherweise bin ich eine der Ausnahmen, auf die sich derlei Spiele nicht in welcher Form auch immer negativ auswirken. Aber ich hab auch nie verstanden, was schlimmes passieren soll, wenn man mit 12-14 ein Spiel wie Resi spielt. Diese ganze USK-Geschichte ist sowieso teilweise überaus merkwürdig. Stufen ein Beach-Volleyball-Spiel für 16 Jahre ein, weil da ein paar Mädels in knappen Bikinis rumhüpfen. Gehste einmal ins Freibad, hast du da wesentlich mehr Mädels, ggf. auch ohne Bikini-Oberteil.

Ich sehe einfach dieses akute, schlimme Problem an der ganzen Geschichte nicht. Das mag sich vielleicht ändern, wenn man selbst Kinder hat aber momentan… Nein, sorry.

 
Jarna
schrieb am 12. März 2010 um 12:05 Uhr Gravatar von Jarna

Meine Eltern haben zu Anfang nie so drauf geachtet, was ich da so am Computer spiele, aber das waren ja auch nur so Spiele wie Need for Speed 2 oder NHL99, die ich von meinem 10 Jahre älteren Bruder bekommen habe.
Da habe ich am Tag aber auch nicht mehr als ein oder zwei Stunden gespielt und wenn meistens nur zusammen mit Freunden.
Dann wurde ich nach zwei-drei Jahren richtig süchtig, weil es in der Schule auch nicht so lief und ich eher als Freak galt (wer interessiert sich mit 13 Jahren für Politik, ist kategorisch gegen Zigaretten und Alkohol und findet es nicht mal aufregend und spielt als weibliche Person lieber am Computer, spielt Hockey auf Inline Skates und hängt lieber mit Jungen ab als mit Mädchen über Mode zu reden?).
Es gab einige schwache Versuche meiner Eltern mich vom Spielen oder allgemein vom PC wegzubekommen, hat aber nicht wirklich geholfen. Sie waren überfordert. Sie haben zwar ab und zu gefragt was ich da am Computer so spiele, aber da es ja nicht Counterstrike oder allgemein Ballerspiele waren, hatten sie auch kein wirkliches Argument.
Mein Vater hat mir mal für eine Woche das Internet gekappt, eigentlich auf unbestimmte Zeit. Als ich ihn aber mit Schmollmund und jeden Abend im Wohnzimmer stumm belagert habe, da habe ich das Internetkabel letztlich zurückbekommen. Heutzutage wünschte ich, er hätte da mehr Durchsetzungskraft gehabt…

Wie auch immer, ich schweife da extremst ab, aber ich denke mehr Kontrolle von meinen Eltern aus hätte mir gut getan. Dann hätte ich vielleicht nicht meine gesamte Pubertät acht Stunden am Tag am Computer verbracht. Vielleicht hätte ich mir mehr Mühe gegeben wieder den Anschluss zu finden.
Noten waren nie mein Problem, durch die Schule bin ich mit Spitzennoten, aber was Freunde in der Umgebung anbelangte, das war doch schon erg.
Jetzt mit 20 schüttele ich nur noch mit dem Kopf, aber es ist ja alles gut ausgegangen :)

 
Hanna
schrieb am 12. März 2010 um 13:23 Uhr Gravatar von Hanna

1. ich glaube leider ist vielen eltern wirklich einfach egal was die kinder spielen hauptsache sie geben ruhe… eltern kann halt jeder werden
2. man muss bei der ganzen altersfreigabe diskussion auch bedenken, dass bei der usk das kriterium suchtpotential oder wie auch immer man das umschreiben will gar nicht berücksichtigt wird. dabei halte ich das für mindestens genauso problemtisch wie die ganze gewaltsache

 
Venwiel
schrieb am 12. März 2010 um 13:59 Uhr Gravatar von Venwiel

Als ich in dem Alter war, habe ich z.b. Filme und Anime-Serien gesehen, die erst ab 16 oder manchmal sogar ab 18 waren. Allerdings hat meine Mutter immer mit mir darüber geredet, was genau daran interessiert etc.
Geschadet hat es mir im Nachhinein nie.
Aber genau dass ist das Problem. DIe Eltern sprechen nicht mehr mir ihren Kindern darüber. Entweder sie kaufen es einfach ohne zu hinterfragen oder sie sprechen ein absolutes Verbot aus, ohne sich ansatzweise damit beschäftigt zu haben.

Maheadhurtz
schrieb am 12. März 2010 um 15:20 Uhr Gravatar von Maheadhurtz

“Aber genau dass ist das Problem. DIe Eltern sprechen nicht mehr mir ihren Kindern darüber. Entweder sie kaufen es einfach ohne zu hinterfragen oder sie sprechen ein absolutes Verbot aus, ohne sich ansatzweise damit beschäftigt zu haben.”
Ja! ja! ja!
Du hast absolut Recht.

 
 
Etlamslin
schrieb am 12. März 2010 um 15:34 Uhr Gravatar von Etlamslin

Ich bin 14 und meine Eltern achten immer noch auf URL und ähnliches.
Aber eigentlich alle Jungen in meiner Klasse haben (9., Gymi) ne Konsole oder nen PC und spielen auch Spiele wie CoDMW2 oder GTA IV und sind deshlab nicht umbedingt aggressiver.
Ich finde es kommt stark auf die Umstände an. Wenn man sich mit Freunden trifft oder im Sportverein ist hat man neben der Schule kaum mehr die Zeit, sich derart exzessiv mit Killerspiele zu beschäftigen, dass daraus aggressives Potential entsteht.

 
Casa
schrieb am 12. März 2010 um 16:18 Uhr Gravatar von Casa

Ich denke das ist einfach “Fallabhängig”.
Meine Eltern haben auch nicht besonders drauf geachtet, was ich alles so geschaut habe, einfach weil beide voll arbeitstätig waren und als Einzelkind war ich nach der Schule bis Abends nunmal allein zu Haus. Und das war vor 20 Jahren. Geschadet hats mir nicht, das ich Horrorfilme etc geschaut habe und was mir zu heftig ist schau ich einfach nicht, das ist heute immernoch so ^^
Dieses generelle viel allein zu haus zu sein und wenig Freunde zu haben, hat mir damals mehr geschadet als iwelche ab18 Medien zu konsumieren.

 
Malevken
schrieb am 12. März 2010 um 17:06 Uhr Gravatar von Malevken

Ich gebe Kunstunterricht in einer 6. Klasse in der mir ein Schüler auffiel, weil er dauernd alles blutig und voller Monster malte. Die Interpretation an sich machte er mir auch nicht schwer, da er nach dem Blut etc. einmal quer über das Blatt “Silent Hill” schrieb. Als ich ihn fragte, wo er das her habe, da das ab 18 Jahren sei, sagte er nur trocken: “Das hat mir meine Mama in der Videothek geholt.” ….
Was soll man da noch sagen?

 
Silvercorn
schrieb am 12. März 2010 um 18:18 Uhr Gravatar von Silvercorn

Also bei mir wird sowas nie sein entweder a muss ich mir die spiele selber downloaden oder b es gibt keine spiele für mein alter nicht im haus (bin 16)
naja meine mutter kann ich auch nicht so sehen wie bei andere mütter oder omas
Andere mütter mal gesehen haben kaum ahnung von der momentanen spiele/medienindustrie weil sie nicht damit groß geworden sind und desswegen einfach alles mitgehen für ihre Kinder,
Meine mutter (bald 50) is das so sie is IT-Systemelektronikerin und spielt WoW und Aion und kennt sich somit auch gut in der branche besser aus als andere mütter und wissen sich zu informieren über die spiele die ich Spiele.
Es ist aber auch kein Problem wenn ich 15 wäre und 16 jährige spiele spiele genauso wenn ich 17 bin und 18 USK spiele spiele is auch kein Problem weil sie meint ich könnte mit solchen spielen umgehen und meine mutter hat auch ein Blick.
Mein Fazit:
es liegt wirklich in den Familien weil die Elterngeneration kaum/garkeine erfahrung im Computerberreich haben und desswegen kommt sowas zu tage
MFG Silvercorn

 
maik
schrieb am 12. März 2010 um 18:43 Uhr Gravatar von maik

Ich glaube du wirfst da wieder alle Eltern in EINEN Topf, meine güte, es gibt halt solche und solche, die einen sehen es nicht so ernst, die anderen überwachen ihre Kinder wie Gelddruckerei…

Btw, es gibt auch ernstere themen mit denen man sich beschäftigen und drüber nach denken sollte anstatt über sonen schwachsinn…

 

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