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25
Februar
2010

Der Fall Käßmann

Jetzt ist sie also doch zurückgetreten. Wisst Ihr, dieses ganze Heuchlertum in Deutschland regt mich wesentlich mehr auf, als der Vorfall an sich. Gut, dann hat sie mal ordentlich was gesoffen, was solls? Menschen machen Fehler, warum darf das einer Bischöfin nicht auch einmal passieren? Natürlich hat die Frau Vorbildcharakter, aber muss man sie deshalb quasi aus allen Ämtern drängen? Nein, sie ist ja “freiwillig” zurückgetreten. Richtig, der Druck der Öffentlichkeit war ja auch nur so gigantisch, dass Ihr am Ende gar keine Wahl blieb.

Fast alle deutschen Tageszeitung titelten in den letzten Tagen mit ihrer Promillefahrt. Wie unverantwortlich dies gewesen sei, und wie eine Frau in so einem Amt sowas tun könne. Ich frage mich in diesem Moment ernsthaft, ob sie auch so einen Aufstand gemacht hätten, wenn es um einen männlichen Bischof gegangen wäre?

Plötzlich von einem Tag auf den anderen, nach dem Rücktritt von Käßmann, dreht sich die ganze Sache. Bild titelt heute mit: “Der tapfere Rücktritt”. Überall ist plötzlich zu lesen, wie viel sie den Menschen gegeben hat und wie viele Leute (vor allem Politiker) den Rücktritt Käßmanns bedauern würden. Wo waren denn diese ganzen Leute in den letzten Tagen?

Ich weiß nicht, irgendwie stinkt die ganze Sache zum Himmel. Ich für meinen Teil fand Frau Käßmann immer ein wirklich charismatisches Gesicht der Kirche. Ob nun evangelisch oder katholisch, die Kirche braucht gerade heutzutage Menschen, mit denen man sich identifizieren kann. Nur so erreicht man evtl. auch mal die heutige Jugend. Alles, was ich abgesehen von Käßmann aktuell mit der Kirche verbinde, sind irgendwelche pädophilen Schweine, die in ihren Ämtern irgendwelche Kinder missbraucht haben – zumindest sind dies die Dinge, die in den Medien fast immer allgegenwärtig sind.

Margot Käßmann war eine Bischöfin zum Anfassen. Gerade nach dem Selbstmord von Robert Enke war sie die Anlaufstelle für eine ganze Stadt. Okay, sie hat einen über den Durst getrunken und ist damit Auto gefahren. Dies ist sicherlich keine Aktion mit Vorbildcharakter. Aber macht sie die ganze Sache nicht sogar ein wenig menschlicher? Hätte dieser Vorfall in irgend einer Weise Einfluss auf Ihr Amt gehabt? Wäre sie dadurch eine schlechtere Bischöfin geworden? Hätten die Menschen dadurch weniger Respekt vor ihr gehabt? Muss man in so einem Amt wirklich 24 Stunden pro Tag Vorbild sein und darf sich keinerlei Ausrutscher erlauben?

Fragen über Fragen! Könnt Ihr sie evtl. beantworten?

Ich möchte mit einem Zitat schließen, welches Käßmann gestern nach ihrem Rücktritt von sich gab – mich hat es sehr berührt.

Du kannst nie tiefer fallen, als in Gottes Hand!


Kommentare RSS feed| Trackback URI

144 Kommentare

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thadd
schrieb am 25. Februar 2010 um 16:29 Uhr Gravatar von thadd

Guter Artikel, spricht mir aus der Seele.

 
Ghostrider
schrieb am 25. Februar 2010 um 16:43 Uhr Gravatar von Ghostrider

Villeicht sieht Pater Pedophilio das ganze nicht so eng…
Ok der war schlecht.

Aber ganz ehrlich, sie hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt und in ihrer Position ist das nun wirklich mehr als schlecht, sie hatte quasi ja garkeine andere Wahl als zurückzutreten.

Warblatt
schrieb am 25. Februar 2010 um 16:50 Uhr Gravatar von Warblatt

“Villeicht sieht Pater Pedophilio das ganze nicht so eng…”
Doch, er weis sogar das es so ist. Deshalb macht ers ja.

haha

Míregal
schrieb am 27. Februar 2010 um 13:18 Uhr Gravatar von Míregal

Ich bin ja der Meinung: Wenn man schon Witze über Hitler macht, müssen sie auch lustig sein.

(same applies here)

 
 
 
Blutoniumboy
schrieb am 25. Februar 2010 um 16:51 Uhr Gravatar von Blutoniumboy

Das einzig verwerfliche an der Fahrt war, dass sie zur Fastenzeit, Alkohol getrunken hat

 
Novartha
schrieb am 25. Februar 2010 um 16:55 Uhr Gravatar von Novartha

Ganz abgesehen davon, dass ich diese Person vollkommen unausstehlich finde mal ein paar Fakten:

1. Es ist FASTENZEIT. Warum trinkt eine Bischöfin in der Fastenzeit Alkohol. Inzwischen ist die übliche Auslegung ja nichtmehr die von vor einigen Jahrzehnten, dass man wirklich fastet, sondern auf Dinge verzichtet, die einem lieb und teuer sind. Aber zumindest als Bischöfin sollte man doch vllt. auf Alkohol verzichten. Mein Vater ist das letzte Mal vor 10 Jahren oder so in der Kirche gewesen und damit überhaupt nichts am Hut, aber selbst der verzichtet zur Zeit auf das Bier nach der Arbeit.

2. “Du kannst nie tiefer fallen, als in Gottes Hand.” Nur weil der christliche Gott ein vergebender Gott ist, heißt das nicht, dass man von jeder Verantwortung befreit ist. Das kann auch ein Mörder oder Kinderschänder sagen. Selbst denen vergibt Gott. Aber ist es deswegen richtig? Noch lange nicht…

3. Ihr solltet euch das zu Gemüte führen. Als ob den Soldaten das Spaß macht in Afghanistan rumzuhängen. Diese Frau hatte überhaupt keinen Sinn für die Realität:
http://www.tagesschau24.com/multimedia/video/ondemand100_id-video635326.html

4. Diese Frau ist hochgefährlich. In meinen Augen eine 68erin, wie sie im Buche steht. Eine Opportunistin, die, wenn sie politisch wird, was als Bischöfin eigentlich nicht ihre Hauptaufgabe sein sollte, gerade das verbreitet, was im Umlauf ist, In ihrer Neujahrespredigt: Afghanistan, Klimawandel (jaja, merkt ihr, wie der Klimawandel diesen Winter zugeschlagen hat. Es war so heiß, dass das Salz ausgegangen ist. Davon, dass die Mails von Klimaforschern geleakt sind etc. etc. etc. pp gar nicht zu reden.)

Ich spar mir aber jeden weiteren Kommentar

Abelion
schrieb am 25. Februar 2010 um 18:33 Uhr Gravatar von Abelion

1. Fastenzeit ist auch für Bischöfe freiwillig – und wenn sie auf was verzichtet, ist es _ihre_ Entscheidung, auf was.

2. Sie hat doch Verantwortung übernommen? Diesen Punkt versteh ich nicht :/

3. (&4.) Vielleicht hatte sie mehr die Ofer in Afghanistan als die Soldaten im Kopf. Ist das so Falsch? Und ich finde schon, dass sie Bischöfe zu Moral-Politischen Fragen äußern dürfen (/sollten)

 
Nekromis
schrieb am 26. Februar 2010 um 15:29 Uhr Gravatar von Nekromis

Zu 2.: Ich glaube du hast den Sinn des satzes nicht richtig verstanden. Sie meint damit nicht, dass sie wegen Gott keine Verantwortung für ihre Tat hat, sondern, dass sie egal wie tief sie noch fällt (wer weiß was noch auf sie zukommt) Gott sie auffängt und wieder aufrichtet. Gerade weil er ein vergebender Gott ist.

 
 
JacKy
schrieb am 25. Februar 2010 um 17:02 Uhr Gravatar von JacKy

Amen Stevi! Mehr gibts dazu nicht zu sagen..

 
Del
schrieb am 25. Februar 2010 um 17:11 Uhr Gravatar von Del

Der sogenannte “öffentliche Druck” ging einzig von der Presse aus, oder glaubt hier irgendwer ernsthaft das es Hrn. Müller und Familie von nebenan nen Eimer kalte Kacke juckt ob die Frau Bischof einen zuviel hatte oder nicht? Sicher nicht. Das ist wieder die typische Hetze gegen Personen die in der Öffentlichkeit stehen. Wenn sich jemand in solch einem Amt, zudem ein Frau mit so hohem Bekanntheitsgrad, einen Fehler leistet ist das Geschrei astronom, und von den Herren Politikern wird es niemand wagen für sie Partei zu ergreifen. Wieso? Die “öffentliche Meinung” (roflz) sagt ja aus das sowas mal gar nicht geht! Sauerei, was für ein Verhalten! Tritt zurück, wawawa!”. Da wette ich doch das jeder der die Bild nicht mal von weitem anschaut gar nichts davon mitbekommen hat, und selbst wenn, wen kümmerts? Es ist niemandem was passiert, und täglich fahren xtausende Leute besoffen durch die Gegend. Dafür reisst keiner ne Schlagzeile runter, aber wenn jemand wie die Frau Käßmann sich nen Schnitzer erlaubt wird damit Presse gemacht. Im Nachhinein kann man dann natürlich tönen wie toll sie in ihrem Job war. Äber hätte auch nur EIN gottverdammter Presseschreiberling sich die Mühe gemacht ihre Leistungen gleich hervorzuheben, und den Vorfall mal nicht gezwungen empört zu beurteilen, wäre sie noch im Amt.

 
Phil
schrieb am 25. Februar 2010 um 17:17 Uhr Gravatar von Phil

Muss dir in einem Punkt widersprechen, Steve:
Ein Mensch, völlig egal ob Mann oder Frau, der sich eine solch unverantwortliche Aktion leistet – sie bringt nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr – hat in einem Amt wie dem Vorsitz der evangelischen Kirche nichts mehr verloren. Sie hätte sich ein Taxi, einen Chaffeur oder irgend einen Bekannten nehmen können, der sie fährt und was macht sie: fährt hackevoll selber. Daher is der Rücktritt absolut notwendig und die einzige logische Konsequenz.

Wo du allerdngs vollkommen Recht hast, is das Geheuchel der Presse und aller “wichtigen” Leute, die jetzt ihre Fratze in jede kamera halten, um den Vorfall zu kommentieren. Erst Hetzjagd, dann Mitleid – ziemlich armselig, aber so sieht die deutsche Presselandschaft nun mal heutzutage aus – ganz nebenbei ein Spiegelbild unserer Gesellschaft: wenn die Menschen sowas nich lesen wollen würden, stände es nicht in den Zeitungen und würde auch nich durch jede Pseudo-Info-Sendung der privatsender rattern.

Just my 2 cent…

 
Chain
schrieb am 25. Februar 2010 um 17:39 Uhr Gravatar von Chain

Meiner Meinung nach gehört die Kirche und alles was dazu gehört sowieso abgeschafft. Alles nur abzocker, in meinen Augen die größten Heuchler von allen.

Zu den Medien, die drucken nunmal das was sich am besten verkaufen lässt und somit am meisten Geld einbringt. Ist ja wohl völlig klar das ein Unternehmen, was eine Zeitung ist, natürlich in erster Linie an den Umsatz denkt. Da ist es egal obs Heuchlerei oder sonst etwas ist.

 
toaster
schrieb am 25. Februar 2010 um 17:51 Uhr Gravatar von toaster

Ich bin ja sowieso dafür das man alkohol komplett aus der öffentlichkeit rausnehmen sollte. aber viele leute verdienen ja ihr geld damit anderen das dreckszeug zu verkaufen -.-

 
Rezuuuun
schrieb am 25. Februar 2010 um 18:07 Uhr Gravatar von Rezuuuun

ich frage mich nur welcher polizist zur zeitung gegangen is weil er geld braucht…das ist schweigepflicht und außerdem müsste dieser zurrechenschaft gezogen werden soeiner muss sich doch sein leben lang schämen

 

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