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13
August
2008

Spielen, Spielen, Spielen

Gestern Abend war es mal wieder soweit: Die ARD zeigte die Dokumentation “Spielen, spielen, spielen… Wenn der Computer süchtig macht”. Gestrickt war die Doku mal wieder in gewohnter Art und Weise: Es werden Extrembeispiele herausgesucht, alles wird aus dem Zusammenhang gerissen und als Standard dargestellt. Darüber hinaus wird schlecht recherchiert, es kommt immer wieder zu inhaltlichen Fehlern, die uns Insidern natürlich sofort auffallen: Da wird ein Battleground schnell mal zu einem Raid.

Marc-Oliver und seine Mutter sind ja keine Unbekannten. Man kennt das Duo bereits aus einer anderen Doku, bzw. einem kurzen Bericht. Im Grunde hat sich nichts geändert: Die Mama jammert immer noch vor der Kamera über die bösen Computerspiele, die ihren Sohn dahin gebracht haben, wo er jetzt ist. Was mich bei dieser Art der Darstellung extrem stört, ist die Tatsache, dass sich die Eltern immer komplett aus der Verantwortung nehmen und die Schuld allein dem Rechner und den Spielen zuschieben – die bösen Computerspiel-Entwickler sind schließlich Schuld. Es liegt nicht daran, dass ich als Elternteil völlig versagt habe, nein, die Spielefirmen sollen einfach alle Computerspiele sofort vom Markt nehmen.

Hier sind wir wieder an einem Punkt angekommen, den ich schon seit eh und je kritisiere: Wenn man es als Elternteil so weit kommen lässt, kann man sich einfach nicht hinstellen und den Spielen dafür die Schuld geben. Das ist so, als würde ich mein Kind jeden Tag zwölf Stunden vor den Fernseher setzen und mich dann beschweren, dass die Serien mein Kind zu sehr in seinen Bann ziehen und er/sie immer weiter schauen will. Tut mir leid, dass ich es so drastisch formuliere, aber in meinen Augen hat die Mutter einfach komplett versagt. Eltern haben in der Entwicklungsphase ihrer Kinder eine große Verantwortung – man kann sein Kind nicht vor den Rechner setzen und hoffen, dass es sich selbst reglementiert.

Meine Schwester, die ebenfalls junge Mutter ist, macht es so, dass mein Neffe pro Tag eine bestimmte Anzahl von “Medienstunden” zur Verfügung hat – das schließt die Konsole, den Rechner und den Fernseher mit ein. Hat er seine Medienstunden aufgebraucht, darf er weder TV-Schauen noch irgendwas zocken.

Darüber hinaus sah in der Doku gestern Abend auch vieles ziemlich gestellt aus. An dieser Stelle zwei Beispiele:

- Seit wann braucht man zum WoW-Spielen die Software-CDs? Man installiert das Spiel einmal und dann braucht man sie nie wieder. Selbst wenn das Spiel aus irgendwelchen Gründen nicht mehr läuft, kann man die Software problemlos aus dem Netz von der Blizzard-Homepage saugen.

- Dass Marc-Oliver am Wurststand angeblich darüber nachdenkt, wie er am nächsten Abend WoW spielen will, ist ebenso absurd. Er würde sich Gedanken machen, wie er am nächsten Tag leveln würde, achso – für jeden WoW-Spieler wird, anhand der Bilder, sofort deutlich, dass sein Char bereits das Maxlevel erreicht hat. Natürlich kommt es vor, dass man sich als WoW-Spieler auch mal in seiner Freizeit Gedanken über das Spiel macht (Taktiken eines Encounters vor dem Raid), aber wir denken sicherlich nicht 24 Stunden an das Spiel und schon gar nicht über so einen banalen Mist nach. Ist in meinen Augen sehr weit hergeholt, und dient ausschließlich dem Zweck, die “allgegenwärtige Sucht” darzustellen.

Versteht mich nicht falsch, man kann WoW und Computerspielen ein gewisses Suchtpotential nicht absprechen. Nur wird in dieser Art der Dokus niemals wirklich neutral über das Thema berichtet. Nie werden die vielen positiven Aspekte dargestellt. Es wird niemals jemand gezeigt, der intensiv WoW spielt, aber trotzdem auch im realen Leben ein führender Kopf ist. Es geht immer und ausschließlich um Panikmache. Hierbei wird suggeriert, dass Computerspiele das Heroin des 21sten Jahrhunderts sind, und das ist einfach ein Witz. Computerspiele sind die virtuellen Spielplätze unserer Zeit, verlockend keine Frage, aber trotzdem nur ein Hobby, wie jedes andere auch. Gebt mir ein Budget, gebt mir ein Kamera-Team und die Möglichkeit – dann produziere ich Euch eine wirklich authentische Doku und mit all seinen positiven und negativen Aspekten. Aber wozu eigentlich, realistische Zustände will ja keiner sehen, Panikmache verkauft sich einfach besser…

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146 Kommentare

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Jack
schrieb am 13. August 2008 um 11:28 Uhr Gravatar von Jack

Also Steve….du sagst was ich denke…auch wenn ich mir die doku Nicht angetan, habe erinnere ich mich noch an den Medienwirbel nach dem Amok-läufen. Welcher Gamer würde das nicht, nachdem man alle Leute die zocken ganz unverholen als potenzielle Amok-Läufer und Suchtis bezeichenete.

Den Sendern geht es Schlicht darum durch Panik höhere Einschaltquoten zu bekommen und gleichzeitíg den Computer als gefährlich hinzustellen damit sich noch mehr idioten den Müll reinziehen der Teilweise in der Glotze kommt.

So long me

 
dalord
schrieb am 13. August 2008 um 11:30 Uhr Gravatar von dalord

Also wenn ich mir die Reportagen über Computerspiele angucke frag ich mich jedes mal ob eigentlich auch alle andern Dokus im Fernsehn in dem Umfang Fehler aufweisen. Da man von dne andern Themen ja selbst nicht weiß leider nicht so einfach zu sagen und man schaut sie an und fühlt sich eigentlich informiert. :(

 
Nuni
schrieb am 13. August 2008 um 11:43 Uhr Gravatar von Nuni

Ich muss Dir voll und ganz zustimmen !

Früher wurden die Kleinen vor den Fernseher gesetzt und heute ist es eben das Internet.
Das ganze nur, damit die Eltern ihre Ruhe haben.
Wenn der Schuß dann nach hinten losgegangen ist, wundern sich alle und geben den bösen bösen Herstellern die Schuld.
Auch eine Möglichkeit sich aus der Verantwortung zu ziehen.
Ok, die Medien tragen ja auch ihr Möglichstes dazu bei, um den Eltern zu suggerieren “Hey, wenn es soweit ist…..Schuld tragen alle Anderen nur nicht Ihr !!”.

Naja Steve, mir kommt nicht nur das Duo bekannt vor sondern auch die Doku / das Video ansich.
Dies ist das Filmmaterial, welches schon einmal in der Sendung “Panorama” verwendet wurde (allerdings “nur” was die Beiden betrifft).
Dieser Beitrag wurde am 03. Juli 2007 bei YouTube reingestellt……ich denke das Datum spricht für sich.
Die Spezialisten wurden ausgetauscht und noch ein anderer Süchtiger verbraten……et voilà.
Somit wird diese ganze Sendung noch viel unglaubwürdiger für mich.

Ich denke schon, dass man das Suchtpotential welches Spiele (besonders WoW) haben nicht unterschätzen darf. Wie oft habe ich auf meinen nächtlichen Blümchen-Farm-Aktionen Kinder (sorry^^) getroffen, welche das 15 Lebensjahr noch nicht mal erreicht haben.
Einen (mir durch das Game bekannten) 13 jährigen Spieler habe ich mal morgens um 4:30 Uhr gefragt, ob seine Eltern denn wissen würden, dass er noch spielt ?!
Er sagte mir, dass seine Mutter das wissen und ihm erlauben würde.
Ich war ganz ehrlich gesagt zutiefst schockiert.
Ich habe nur die Antwort bekommen, dass ich ja schließlich auch noch on wäre.
Das ich mehr als doppelt so alt bin war in diesem Moment nebensächlich.
Prinzipiell geht es mich nichts an und ist die Aufgabe der Erziehungsberechtigten……gesund finde ich es allerdings nicht.

Dennoch sollte man mit solchen “Dokumentationen” vorsichtig sein und vor allem objektiv bleiben.
Aber dies würde sich nicht so gut verkaufen und nur halb soviel Interesse wecken wie diese Horrorgeschichten.

Ich persönlich kenne bisher nur 2 Dokus, welche es meines Erachtens objektiv betrachten.
Diese kann ich dann auch mal guten Gewissens Freunden empfehlen, welche mich ständig fragen “Sag mal…was machst Du da eigentlich ?”, ohne die Angst haben zu müssen, dass sie mich gleich in die nächste geschlossene Anstalt einweisen lassen.

Die eine dürfte besonders Dir Steve noch in guter Erinnerung sein (3SAT)^^,
und die Andere ist von Computerbild Spiele.

 
Dom
schrieb am 13. August 2008 um 11:54 Uhr Gravatar von Dom

Nun ja ich muss sagen es gibt sicherlich eine Sucht (Zockersucht) und die gibt es bestimmt auch bei WoW spielern, aber das was gestern gezeigt wurde war ein Witz “Ich hab die Beerdigung meiner Schwester verpennt weil ich 72std durchgezockt hab” hallo geht es noch???
Oder der Herr Doctor “In diesen Spielen geht es ja nicht um Blümchen zählen” richtig wir können sie pflücken.
Nein mal im Ernst wie es auch schon gesagt wurde man sollte es nicht auf DIe Entwickler schieben das ist mist, die Eltern sollten sich an die Nase fassen und auch mal mit ihrem Sohn/Tochter reden. Damit kommt man weiter als mit ” Wenn Marc-Oliver nicht weniger spielt kommt er in ein Jugendwohnheim”.

WotLk Ich komme Gruß Dominik

 
Akti
schrieb am 13. August 2008 um 11:56 Uhr Gravatar von Akti
 
Isador
schrieb am 13. August 2008 um 11:57 Uhr Gravatar von Isador

Ich habs mir gestern auchangetan. Nunja.wirklich… einseitig recherchierte Doku. Schade dass du damals deine Doku-Absichten fallen gelassen hattest. Du hattest doch mal gesagt ein TV Sender hätte Interesse gezeigt an deinem Projekt?

 
Lex
schrieb am 13. August 2008 um 11:59 Uhr Gravatar von Lex

Marc Oliver sollte umsteigen auf Chrystal Meth!

 
Throrek
schrieb am 13. August 2008 um 12:02 Uhr Gravatar von Throrek

Gutes Resümee, Steve. Auf einem Punkt möchte ich aber nochmal eingehen. Das, was du in einem zweiten Spiegelstrich geschrieben hast, in diesem Punkt muss ich widersprechen. Ich WoW vor gut einem 1 1/2 Jahren gespielt habe und war “richtig” drinnen. Mir ging es in diesem Punkt so wie dieser Junge in der Doku , denn ich konnte, wenn ich nicht WoW spielte, nur noch an dieses Thema denken. Was mach ich als Nächstes, las Guides oder diverse andere Inforationsquellen zu WoW. Meine Gedanken kamen von diesem Thema nur schwer wieder los. Ob ich damals süchtig war, weiß ich nicht. Aber das Spiel nahm einen sehr großen Platz in meinen Leben ein.

MFG Throrek

 
Stephan
schrieb am 13. August 2008 um 12:03 Uhr Gravatar von Stephan

Solch eine Doku kostet kein Geld, es kostet zeit und man braucht eine Kamera und evtl. einen Kameramann wenn man selbst auch vor die Kamera möchte.

Ein Paar Zettel verteilt mit: Suche Gamer für Reportage und schon hast du deine Interviewpartner.

 
Micha
schrieb am 13. August 2008 um 12:08 Uhr Gravatar von Micha

Gut gebrüllt Herr Löwe. Ich glaube aber das du verkennst das es durchaus noch viel schlimmer geht. Natürlich war der Bericht einseitig aber so sind die Medien halt. Und die Medien sind so weil es die Masse so will. Die Leute gucken doch den ganzen Kram den man Ihnen serviert. Ja sie wollen es ja nicht anders. Man sieht das an den Einschaltquoten.

Ich selbst habe erst mit 27 angefangen WoW zuzocken. Und es war schon eine krasse Zeit. Die ich natürlich auch nicht missen will. Aber der kleine Junge war harmlos gegen die meisten Leute die ich kenne. Und bevor hier das geflame losgeht: Die meisten von uns gehen ganz normal Arbeiten. Manche haben auch recht ansehnliche Positionen aber der Raid geht bei vielen über alles. Und auch nur so ist Sunwell zuschaffen.

 

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